Der Juliputschist: Eine Spurensuche
Es ist der 25. Juli 1934, als um 13 Uhr als Soldaten verkleidete Nazis das Bundeskanzleramt in Wien stürmen. Ihr Ziel: die Absetzung des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß. Als die Eindringlinge auf Dollfuß treffen, kommt es zum Gerangel, es fallen zwei Schüsse, die den Bundeskanzler tödlich treffen. Das Attentat auf Dollfuß geht in die österreichische Geschichte als Juliputsch ein und läutet das Ende des unabhängigen Österreichs ein. Zu den Putschisten gehörte Josef Fleischer, damals 28 Jahre alt. Er war der geliebte Patenonkel des Autors und Journalisten Wolfgang Prochaska. „Ich könnte seine Geschichte nicht erzählen, hätte er seine Teilnahme später nicht bereut und als größten Fehler seines Lebens bezeichnet“, schreibt der Autor in seiner Spurensuche „Der Juliputschist“. Überraschende und beschämende Fakten kommen ans Tageslicht und beenden so manche Familienlegende. Gleichzeitig ist es eine Geschichte über die Unmöglichkeit, einen ehemals geliebten Menschen trotz all seiner Verfehlungen zu hassen. Das ist das Berührende an diesem kleinen, schönen Buch.
Guth und die Frau im weißen Mercedes: Der erste Fall des Starnberger Detektivs
Der ehemalige Lokalreporter Julius Guth ist nicht gerade ein großer Held, sondern eher der romantischer Typ. Als er bemerkt, dass sein Chef die Praktikantin begrapscht, stellt er diesen zur Rede und haut ihn eine runter. Damit verliert er seinen Job und der Starnberger Privatdetektiv Julius Guth ist geboren. Sein erster Fall, den er nur annimmt, weil er von einer harmlosen Ehegeschichte ausgeht, ist komplizierter als gedacht. Denn seine Auftraggeberin Shirin Ziegler ist nicht nur eine anziehende Frau – ihr Mann, ein erfolgreicher Geschäftsmann, scheint in dem Mord an dem bekannten Immobilienmakler und Frauenheld Hans Nowak verwickelt zu sein. Julius Guth ist als Detektiv noch unerfahren, aber zum Glück hat er einen guten Draht zum Starnberger Polizeichef, was ihn der Wahrheit Schritt für Schritt näher bringt. Dummerweise verliebt er sich noch in seine hübsche Auftraggeberin.
Fürstensee
Der heiße Sommer 2003 und eine Einladung zu einem Fest in einer Villa am Starnberger See. Nur ungern kommt der Lokalreporter Andreas Swoboda der Einladung nach. Aber der flamboyante Gastgeber Alexander Roos, ein Finanzinvestor, und das Ambiente sind für ihn dann doch Grund genug, hinzugehen. Das Fest verändert das Leben von Swoboda. Denn dort lernt er Enya, die Assistentin von Roos, kennen. Roos will Swoboda um jeden Preis reich machen, so beginnt ein Spiel um Verführung und Überzeugungen.
Fürstensee erzählt eine große Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der ungeheuren Höhenflüge an der Börse zu Beginn des Jahrtausends. Während Swoboda in den Bann von Roos gezogen wird, erkennt er gleichzeitig immer mehr, was er wirklich ist und was nicht.
Louisa
Blau und Hell ist die Nacht
Und wenn wir wieder zurückfallen
erschöpft
das Bett, die Haut warm noch
von der Hitze
letzter Umarmungen
in unsere eigene Nacht. –
Wer sind wir dann wieder
und was
wird uns weiterhelfen
über uns
und unser langes Sterben
hinaus?
Alles, was Leben ist, ist Träumen. Nie bin ich glücklicher,
wenn ich an nichts denken muss, außer an das Schöne, das möglich ist.
Warten auf Schicksal
Dort, genau um die Ecke, in der Blütenstraße,
habe ich gewohnt. Das war in den Siebzigern, als
Fassbinder mit seiner Ledertruppe durch die Barer
zog und irgendjemand im Maikäfer brüllte, Queen
seien wieder in der Stadt, im Sugar Shack.
Es gab noch Das Blatt, das ein paar Straßen weiter
gedruckt wurde, und Fauser lebte noch.
Schon lange her. Eine Ewigkeit, wie man so sagt,
was Quatsch ist, es ist bloß viel Zeit vergangen,
die Bilder aber frisch, Fassbinder, der
Passanten anstänkerte: Gnä‘ Frau, nicht so
beleidigt!, und der schüchterne Fauser,
der wie wir im Türkenhof oder Atzinger an einer
lässigen Schreibe übte, was leicht gelang, bloß
Schicksal fehlte noch, die ganz große Tragik.
Die dann doch kam für Fassbinder und Fauser,
während wir unten am Flaucher grillten, mit
Mädchen schäkerten und unsere Gedichte vorlasen.
Daran denke ich gerade, vor der Hausnummer 20.
60 Mark kostete das Zimmer, im Winter mit Heizung 90,
sieben Quadratmeter Raum, die Toilette auf der Etage.
Ich zünde mir eine Zigarette an,
halte sie in der hohlen Hand wie Fassbinder.
Rauchen ist tödlich, lese ich auf der Packung.
Was hätten wir gelacht!
Echo
Da, die früheren Freunde!
Ja, du erkennst sie sofort.
Rufst ihre Namen, ganz laut
und sie wundern sich,
dass es dich
noch gibt –
Rückkehr
Dieses Wallace-Stevens-Gedicht über den Herbst
oder vielmehr über die allmähliche Erkaltung einer Empfindung.
Diese Musik, die stiller wird im Rascheln der Blätter.
Oh, es ist ganz einfach nichts mehr zu wünschen, obwohl
gerade ein seltsames Brennen die Oberfläche ritzt:
Das ist Herbst.
Vieles hat sich entfernt, ist verschwunden.
Ein Wort jetzt, das mehr ist als ein Zeichen, das sichtbar macht,
dich beschreibt,
wie oft verriet ich, all die großen Dinge,
unerlöst wie ein Traum
aber es war gut,
sie gespürt zu haben.
DER ERSTE KUSS,
ein sicherliches
Muss für junge Leute
und manchmal noch für mich.
Erinnerung für andere, als ob
da wandere das kleinste
Etwas eines Nichts.
Vergebens das Zurück. Im Blick
als ganzes Stück nur
Jahre, die sich maßen
ganz ohne Küsse.
Nur manchmal auf sehr stillen Wegen,
Straßen, ein Beben noch
ganz dünn wie Herzenslust.
Ratschlag
Glaubt nicht den Alten!
Waren nicht anders;
zu Hause auf Irrfahrten,
offen für Leidenschaften,
vertraut auch im Verrat.
Und was später als Weisheit
auf Tafeln und Pergament
erschien, war die Arbeit
frischgekaufter Sklaven.