Als ich die Schriftstellerin und Lyrikern Anja Kampmann
zum ersten Mal lesen hörte – es war im Lyrikkabinett in München –
hatte ich nur ihren Roman Wie hoch die Wasser steigen gekannt.
Ich las diesen Roman und fühlte mich von den Sätzen geblendet.
Ihre Prosa erschien mir Satz für Satz so kristallin und sauber,
dass ich unmittelbar nach einem Roman griff, von dem ich
wusste, dass er schmutzig ist: Portnoys Beschwerden von Philip Roth.
Dennoch wurde ich neugierig.
Im Lyrikkabinett las sie Gedichte, neue Gedichte, die während
ihrer Reise nach Mariupol in die Ukraine entstanden sind.
Sie las im Rahmen des deutsch-ukrainischen Kulturaustauschprogramms
Paperbridge (Brücke aus Papier). Sie entschuldigte sich bei den Zuhörern,
weil ihrer Ansicht nach die Gedichte noch überarbeitet werden
müssten, aber ich war von ihrer Lyrik begeistert und gleichzeitig
benommen – am Ende glücklich.
Ich vergaß ihren Roman.
Leider wird ihr neuer Lyrikband erst im nächsten Jahr erscheinen.
So lebe ich mit Zeilen wie diesen:
hören wir uns atmen in der nacht
am morgen ein specht
wertet die lochkarten aus
der gewöhnlichen träume
(aus Planetarium)